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Verdämmt und zugeklebt

Veröffentlicht am 19.10.2015

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 Die solide Bauweise unserer Wohnhäuser hat sich über viele Jahrhunderte immer weiter entwickelt. Wenn die Häuser richtig gebaut und in Stand gehalten wurden, hatten sie eine nahezu unbegrenzte Lebensdauer. Anfang des 20. Jahrhunderts, als sich in sehr vielen Bereichen die Technologien schlagartig entwickelten, war plötzlich vieles möglich und musste natürlich auch genutzt werden.

Wärmedämmung verbessern  – Heizenergie sparen. Dies war in den siebziger Jahren die logische Reaktion auf das wachsende Bewusstsein, dass der sparsame Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Energiereserven eine zwingende Notwendigkeit werden würde.

Schaumstoffplatten auf Erdölbasis – der Vollwärmeschutz  – hielt dank des massiven Lobbyings der chemischen Industrie auf allen Ebenen Einzug. Die Energie, die wir uns beim Heizen sparen, klebt nun außen auf den Gebäuden. Zusätzlich wurden alle Gebäudefugen abgeklebt und abgedichtet, sodass kein unkontrollierter Luftaustausch mit der Außenluft stattfinden konnte. Schimmel und eine Durchfeuchtung der Außenwände waren die Folgen. Beides ist alles andere als gesund, insbesondere in Kombination mit den vielen chemischen Substanzen, die in den Baumaterialien vorhanden sind. Das Ergebnis waren unzählige Atemwegs- und Hauterkrankungen.

Um diesen Baumängeln Herr zu werden, wurde die künstliche Be- und Entlüftung entwickelt. Die Notwendigkeit, die überschüssige Feuchtigkeit und chemisch belastete Luft aus den Räumen zu bekommen, wurde als „Komfortlüftung“ vermarktet. Die zur Tauwasserbekämpfung durch die Lüftungsanlage notwendige kalte Außenluft wurde gefiltert und erwärmt. Die Filter müssen regelmäßig sorgfältig gereinigt oder gewechselt werden, sonst wachsen in ihnen Viren und Bakterien, die wiederum in die Atemluft gelangen können.

Der Energieausweis wurde zur allgemeinen Weisheit erhoben - dabei handelt es sich aber lediglich um eine theoretische Berechnung des Wärmeverbrauchs, die mit den sich ändernden Bedingungen des Wandaufbaus und den Benutzergewohnheiten nichts zu tun hat. Die Anforderungen wurden immer höher, und so bekleben wir unsere Häuser mittlerweile mit 25-30 cm Schaumstoffplatten. Die Energie, die wir in den Übergangszeiten und an sonnigen Wintertagen gewinnen können, sperren wir durch die Dämmung (nach außen) aus.

So haben sich unsere Wohnhäuser zu luftdichten Kunststoffhüllen mit künstlicher Be- und Entlüftung und einem hohen technischen Aufwand entwickelt. Dabei möchte der Mensch doch in einem möglichst natürlichen Umfeld ohne großen technischen Aufwand leben. Die Haustechnik muss ohne viel Serviceleistung einfach zu bedienen. Das Haus sollte keine Belastung, sondern ein Ort der Ruhe und Erholung für die Familie sein.

Buchtipp: Entdämmt euch! von Klaus-Jürgen Bauer

Dipl. Ing. Knut Drugowitsch

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