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Soll das Bauen verboten werden?

Veröffentlicht am 03.10.2018

Foto by TRIO

Dieses und andere Themen unter dem Motto „Reparieren, Sanieren und räumlich Erneuern“ wurden kürzlich in Linz diskutiert. Wolfgang Mairhofer war bei der vom architekturforum Linz veranstalteten Symposiumsreihe „Wohnen im Herbst“ mit dabei, um Anregungen für kommende Projekte mitzunehmen.

„Verbietet das Bauen!“ – es braucht keinen Neubau mehr

Dieser Meinung ist der Autor und Architekturverleger Daniel Fuhrhop, dessen Buch mit dem gleichnamigen Titel viel Aufsehen erregte. Sein Vortrag war auch bei dieser Veranstaltung im Kreise von (hauptsächlich) ArchitektInnen ein gewisser Wachrüttler. Fuhrhop vertritt die Meinung, dass es keinen immer mehr gleich aussehenden und dadurch austauschbaren Neubau mehr braucht. Stattdessen sollten wir uns mehr auf die (Nach)Nutzung des Bestandes konzentrieren. Dafür sei es allerdings notwendig, unsere Haltung gegenüber Neubauten zu überdenken und stattdessen eine neue, positivere Haltung gegenüber bestehenden, älteren Bauten und ihrer Möglichkeiten zu entwickeln.

Unsere Erfahrung im Bereich Neubelebung alter Gebäude und Liegenschaften lässt uns definitiv bestätigen, dass man aus bestehenden Gebäuden viel herausholen kann und auch sollte. Oft ist dabei jedoch viel Expertise und innovatives Denken notwendig, um wirtschaftlich attraktive Projekte zu ermöglichen – vor allem bei denkmalgeschützten Gebäuden wie der alten Papiermühle in Braunau oder dem Schlüsselhof in Steyr.

Fuhrhops Aussagen zu Allgemeinräumen in Wohnanlagen waren ebenfalls interessant. Allgemeinräume wie zum Beispiel Grünflächen oder Nebenräume verursachen zwar augenscheinlich für die Mieter und Eigentümer Mehrkosten. Wenn sie jedoch sinnvoll genutzt werden können, zum Beispiel als „Jokerräume“, die man bei Bedarf als Bewohner zumieten kann, oder als gut geplante Grünflächen, die wirklich zur praktischen Nutzung einladen, dann verringern sich bei genauerer Betrachtung die Wohnkosten jedes Einzelnen.

Wir können uns dieser Ansicht anschließen. Unsere Außenanlagen entwerfen wir immer mehr mit dem Ziel, den Bewohnern auch außerhalb ihrer vier Wände Raum anzubieten, der ihre Lebensqualität erhöht und aktiv genutzt wird, zum Beispiel mit gut durchdachten Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche und gemütlichen Sitzmöglichkeiten.

„Städtebauliche Entwicklungen funktionieren nicht mehr“

Dieses Thema wurde vom Grazer Architekten Hans Gangoly aufgegriffen. Er vertrat den Ansatz, dass heutzutage städtebauliche Entwicklungen gegenüber den Entwicklungen der Gründerzeit nicht mehr wirklich funktionieren. Damals gab es laut Gangoly eine eindeutige kulturelle Identität, der man bei städtebaulichen Entwicklungen folgen konnte. Heute gibt es dieses Eindeutige nicht mehr. Auch diese Aussage fanden wir interessant.

„Mehr Soziales, mehr Freiraum und Grün“ 

Aus den Fragen des Architektur-Publikums war der Wunsch nach „mehr Sozialem“ und „mehr Freiraum und Grün“ zu hören. Architekten sollen sich bei Projekten stärker dafür einsetzen.

Aus unserer Sicht sind dies auch sehr wünschenswerte Ansätze. Allerdings wird hier dem wirtschaftlichen Aspekt von Immobilienprojekten zu wenig Beachtung geschenkt. In Zeiten hoher Grundstückspreise und Projektkosten, die von Normen und Richtlinien in die Höhe getrieben werden, bleibt oft für derartige Wünsche wenig Spielraum, wenn der Wohnraum für Eigentümer oder Mieter leistbar und für Bauträger wirtschaftlich interessant sein soll.

Das Symposium brachte einige interessante Anregungen und hat uns unter anderem gezeigt, dass man bei Sanierungen Teil der Geschichte des Hauses wird, und diese damit fortschreibt. Dieser Verantwortung werden wir uns bei zukünftigen Projekten noch mehr bewusst sein.

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